Heidesee

10.10.2018


 Landschaftsschutz am Heidesee


 Heidesee

Der Heidesee und seine Umgebung liegen im nördlichen Oberrhein-Tiefland auf der pleistozänen* Niederterasse des Rheins mit seinen kalkhaltigen fluviatilen* Sanden und Kiesen. Dieser Untergrund ist teilweise überdeckt mit Löss*, der während der letzten Eiszeit dort abgelagert wurde. Durch jahrtausendelange Niederschläge wurden die Böden oberflächlich 1-3 m tief entkalkt, deshalb finden sich heute in der Umgebung von Neureut auf dem Hochgestade nur mehr oder weniger saure Sandböden. Charakteristisch für den Bereich Neureut-Heide sind die wenigen Meter hohen Sanddünen, die durch Ausblasung und Umlagerung des feinen losen Rheinsandes entstanden und der 9 m tiefe Heidesee. Der See entstand in einer kleinen, tieferen Grube, die aus dem früheren Kiesabbau entstanden ist. Neureut-Heide hat somit eine besondere und selten vorkommende Umgebung, für deren Schutz und Erhalt wir als Anwohner und Nutzer die Verantwortung tragen.

Fluviatil = Flussablagerungen (zerkleinertes Gestein)

Pleistozän = Zeitabschnitt in der Erdgeschichte. Begann vor ca. 2,6 Millionen und endete vor ca. 10.000 Jahren. Dieser Zeitabschnitt ist für seine starken Temperaturschwankungen bekannt.

Löss = Ein hellgeblich-graues, staubähnliches Sediment mit einer Korngröße von 0,01 – 0,05 mm. Besteht vorwiegend aus Schluff.

 

Das Biotop rund um den Heidesee

Für die Umgebung des Heidesees sind schmale Bestände aus Schilf, Sandmagerrasen, Feldhecken und Brombeergebüsche charakteristisch. Diese Biotoptypen sind besonders schützenswert und deshalb vor Zerstörung oder erheblichen Beeinträchtigungen geschützt (§30 BNatSchG, §33 NatSchG). Den flächenmäßig größten Anteil nehmen die nährstoff- und kalkarmen Sandmagerrasen ein. Sie gehören in Baden-Württemberg zu den seltenen Biotoptypen und sind erkennbar durch offene, karge Trockenflächen. Die vorkommenden Pflanzen sind darauf spezialisiert mit wenigen Nährstoffen auszukommen. Dazu zählen die seltenen Pflanzen wie Frühe Haferschmiele (Aira praecox), Nelken-Haferschmiele (Aira caryophyllea), Trespen-Federschwingel (Vulpia bromoides), Bauernsenf (Teesdalia nudicaulis), Kleines Filzkraut (Filago minima) und Kahles Filzkraut (Hypochaeris glabra). Durch eine Erhöhung des Nährstoffgehaltes (wie z.B. durch Fäkalien von Hunden) können diese Pflanzen für immer verschwinden. Stattdessen würden dann nährstoffliebende Pflanzen wie z.B. die Brennnessel (Urtica dioica) die heutige Flora verdrängen.

Die Biotope dienen vielen Spinnentieren, Schmetterlingen und Wildbienen (z. B. Steppenbienen), Heideschnecken und Sandlaufkäfern als Futterquelle und Lebensraum. Auch zahlreiche teilweise vom Aussterben bedrohte Vogelarten wie Braunkehlchen (Saxicola rubetra) und Nachtigall (Luscinia megarhynchos) nutzen die Umgebung des Heidesees als Brut-, Rast-, oder Futterplatz. Auch der Neuntöter (Lanius collurio) wurde als Durchzügler gesehen, eine Brut blieb wahrscheinlich aufgrund zu weniger Dorngebüsche bisher aus.

Zum Schutz der Landschaft zählt auch die Verhinderung von Müllablagerungen. Sie verschmutzen die Landschaft, können schädlich für die Tier- und Pflanzenwelt und vorhandener Müll hat schon Ratten angelockt, die inzwischen schon mehrfach im Salbeiweg gesehen wurden. Außerdem ist es kein schöner Anblick.

 

Der Heidesee

HeideseeIn einer ehemaligen Kiesgrube befindet sich der Heidesee (nicht verwechseln mit dem Heidesee bei Forst!). Der Uferbereich besteht aus einem kleinen Wäldchen, Schilfbüschen und einem steil abfallenden sandigen Hang. Diese Uferbereiche sind wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Vögel und Kleinsäuger benötigen diese Rückzugsbereiche. Aus diesem Grund dürfen die Wege nicht verlassen werden (gilt auch für Hunde). Auf dem See leben unter anderem Schwäne (Cygnus) und (Wild-) Enten (Anatidae).

Der See und seine Umgebung sind ein beliebtes Naherholungsgebiet für Anwohner und Nutzer anderer Stadtteile. Aber dies bedeutet nicht, dass alles erlaubt ist!

Es handelt sich um ein öffentliches und städtisches Gewässer. Das Baden ist in Baggerseen und in öffentlichen Gewässern Karlsruhes, von wenigen Ausnahmen abgesehen, grundsätzlich verboten. Auch wenn der Heidesee von allen Seiten öffentlich zugänglich ist, ist der städtische See nicht als Badesee freigegeben. Das Badeverbot dient nicht nur dem Schutz der einzigartigen Natur, sondern auch dem Schutz der Menschen. Im See besteht Lebensgefahr durch sehr kalte Strömungen, die einen Kälteschock auslösen können. Außerdem besteht eine Gesundheitsgefahr durch dort in der Vergangenheit entsorgten Bauschutt unbekannter Art (z.B. vom Bau der amerikanischen Siedlung). Die Wasserqualität wird im Heidesee nicht wie in Badeseen überprüft, so dass gesundheitliche Risiken nicht ausgeschlossen werden können. Es könnten Erkrankungen (durch das Baden oder Trinken des Wassers) auftreten. Bitte halten Sie sich schon deshalb unbedingt an das Badeverbot!

Wegen den trockenen Flächen um den See besteht im Sommer eine große Brandgefahr. Aus diesem Grund ist es verboten (Lager-) Feuer am See oder in der Umgebung zu machen. Auch Partylärm und laute Musik ist nicht gestattet, da Tiere und Anwohner gestört werden.

 

Darauf sollten Sie achten

   Heidesee  
 Bleiben Sie bitte beim Rundgang um den See auf den Wegen (auch Hunde)
-   Hundebesitzer bitte immer Hundekotbeutel nutzen und ordnungsgemäß entsorgen (Nicht in die Landschaft oder 1 Meter neben den Mülleimer schmeißen!). 
-   Entsorgen Sie bitte auch Ihren Abfall nur in die vorgesehenen Mülleimer. Noch besser wäre es den Abfall wieder mit nach Hause zu nehmen und dort zu entsorgen. 
-   Machen Sie bitte kein Feuer 
-   Bitte keine größeren Partys feiern 
-    Vermeiden Sie laute Musik
-    Unterlassen Sie bitte Sachbeschädigungen wie das Besprühen von Schildern
 

Einsatz des Bürgervereins Neureut-Heide

„Meine Grüne Stadt Karlsruhe“ ist eines der Korridorthemen für die Entwicklung der Stadt Karlsruhe. Eines der wesentlichen Ziele ist es, die Handlungsfelder der Grünen Stadt – Klima, Gesundheit und Natur - in der Bevölkerung nachhaltig zu verankern und gemeinsam mit ihr deren weitere Entwicklung zu gestalten. Die Grüne Stadt Karlsruhe geht dabei weit über das Thema Grünflächen und damit verbundene Gestaltungs- und Aufenthaltsqualitäten hinaus. Sie umfasst auch den nachhaltigen Umgang mit Boden und Freiflächen als endliche Ressourcen, den Klimaschutz und die Klimaanpassung, die Natur in der Stadt, die vielfältigen Lebensräume, Vernetzungselemente, Biodiversität sowie gesunde Lebensverhältnisse und Lebensweisen.

Ein zentrales Element des Konzeptes für „Meine grüne Stadt Karlsruhe“ ist die aktive Beteiligung der Bevölkerung. Der Bürgerverein Neureut-Heide hat den Heidesee als ein so genanntes “Anpacker- Projekt“ - darunter versteht man Projekte von Bürgerinnen und Bürgern kreiert, konzipiert und im Wesentlichen auch von ihnen umgesetzt -  bei der ersten Ideenwerkstatt im November 2016 ins Spiel gebracht.

Bei einem ersten Ideen Workshop im Brunhilde-Baur-Haus im Sommer 2017 wurden zahlreiche Ideen gesammelt, anschließend geordnet und auf ihre Machbarkeit überprüft.

Seitdem gibt es zum Schutz der Einzigartigkeit der Landschaft vor unserer Haustür immer wieder Aktivitäten des Bürgervereins. Führungen wie eine Vogelstimmenwanderung im Frühling 2018, ein nächtliches Event wie den „Lichtfang“, bei dem eine große Zahl verschiedener Nachtfalter bestimmt werden konnte und informative Wanderungen im Gebiet des Heidesees. Dazu kommen Rodungsaktionen mit Unterstützung von Schülerinnen und Schülern des Schulzentrums Neureut und Reinigungsaktionen veranstaltet vom Bürgerverein wie der „Heideputz“ jeweils im zeitigen Frühjahr. Eine kleine Müllpatengruppe sammelt in unregelmäßigen Abständen den Müll ein und der Bürgerverein setzt sich bei der Ortsverwaltung für mehr „krähensichere“ Müllbehälter ein.

Flyer HeideseeBei den Projekttagen im Juli 2018 am Schulzentrum Neureut wurden Informationsschilder entwickelt, die am Heidesee aufgestellt werden. Neben den regelmäßigen Berichten im „Heide Aktuell“ und im „Heideheft“ und den Veranstaltungen gibt es jetzt auch einen offiziellen Flyer. Er soll vor allem dazu dienen, die Anwohner und Nutzer zu unserer Umgebung zu informieren, die Probleme aufzeigen und den Erhalt des Heidesees für die Zukunft sichern.

Gegenüber der Verwaltung setzt sich der Bürgerverein für die Durchführung von notwendigen Kontrollen und falls notwendig auch Maßnahmen durch Ordnungskräfte ein. Gerade in den Sommermonaten zeigt sich deutlich, wie wenig sich manche Gruppen an die am See geltenden Regeln halten.

Wenn wir den Heidesee und seine Umgebung als ein wertvolles Areal erhalten wollen, brauchen wir im Bürgerverein viele Engagierte. Neben der Unterstützung durch öffentliche Stellen kann nur durch Menschen, die sich ehrenamtlich für dieses Biotop einsetzen, der Landschaftsschutz am Heidesee und damit verbunden die Lebens- und Aufenthaltsqualität am Heidesee erhalten bleiben.

Wir freuen uns über Jeden, der zum Schutz des Heidesees beitragen möchte. Bei Interesse wenden Sie sich an eines der Vorstandsmitglieder.



 


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